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Presse

19.10.2017

ARCHITEKTURPREIS DER STADT LEIPZIG 2017 

Jurybeurteilung 

„Mit dem Neubau der Grundschule und dem Umbau des einstigen Gemeindehauses der Lutherkirche zum Hort erhält das forum thomanum einen wichtigen Baustein, mit dem die erfolgreiche, durch bürgerschaftliches Engagement unterstützte Entwicklung des Bildungscampus im Bachviertel fortgesetzt wird. Beim Umbau des gründerzeitlichen, im Krieg stark beschädigten Gemeindehauses wurde erhalten, was sich erhalten ließ, und einfühlsam ergänzt, was ergänzt werden musste. Details wie die Erhöhung eines schmiedeeisernen Treppengeländers zeugen vom Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Denkmalsubstanz. Dies gilt auch für den größten Eingriff, die Aufstockung um eine Etage, die mit ihren Gesimsbändern unaufgeregt dem Duktus des Altbaus folgt.

Der Neubau wahrt mit seinen klassisch-modernen Formen dagegen Eigenständigkeit gegenüber seinem Nachbarn, bildet aber mit ihm zugleich ein Ensemble. Der mit einem gläsernen Gang angeschlossene Dreigeschosser mit Flachdach verzichtet auf vordergründige Analogien in der Gliederung, bleibt aber maßstäblich und unaufdringlich. Die handwerkliche Bürstung des Putzes verleiht ihm Lebendigkeit und Plastizität, umlaufende schwarze Glaspaneele akzentuieren die Sockelzone. Mit dem einheitlichen, hellbeigen Putzton wird die Zusammengehörigkeit der beiden Bauten betont. 

Der Neubau kommt ohne die vermeintlich kindergerechten knalligen Farben aus, wie sie an den Schulen der letzten Jahre verbreitet sind. Für Farbe sorgen hier die Kinder, die die Paneele auf der Hofseite bemalen dürfen. Zurückhaltung bestimmt auch die in Weißtönen gehaltenen Innenräume, die u-förmig um eine großzügige Halle mit Freitreppe angeordnet sind. An deren Gestaltung haben die Schüler mit eigenhändigen Beschriftungen und Piktogrammen mitgewirkt. 

Wegweisend ist auch die Baukonstruktion. Während andere Schulneubauten fast ausnahmslos mit Styroporpaketen verpackt sind, die kaum einen Fußtritt aushalten und wahrscheinlich bald als Sondermüll entsorgt werden müssen, kam hier zweischaliges Ziegelmauerwerk von 70 cm Stärke zum Einsatz, das für Haltbarkeit, gesundes Raumklima und zugleich hervorragende Energiewerte sorgt. 

Große Schiebefenster ermöglichen regelmäßige Lüftung, auf störanfällige Anlagetechnik wurde verzichtet. Ein Zeichen der Nachhaltigkeit setzt auch der Erhalt der Außenmauer des im Krieg zerstörten Pfarrhauses, die den Schulhof einfasst. 

Das in einem überschaubaren Kostenrahmen verwirklichte Projekt setzt Qualitätsmaßstäbe für neue Schulen und Kindertagesstätten – und damit für eine der wichtigsten Bauaufgaben in der wachsenden Stadt Leipzig.“